Wie sieht es real aus? 

 

Die Kinder sind eine Woche lang zusammen. Die künstlerischen Aktivitäten sind natürlich gemeinsam, bei den Lernzeiten teilen wir uns ein, denn in einer Gruppe sind verschiedene Klassen. 

 

Da wir nur eine Woche pro Monat haben, ist das Programm doch ziemlich dicht. Trotzdem gibt es viel Kunst und Freizeit.

Für die drei restlichen Wochen zu Hause geben wir einige Hausaufgaben (Material für Präsentation sammeln, Mathe-Übungen).

 

Real läuft es zur Zeit während der Schulwoche (sechs volle Tage plus Ab- und Anreisetag, an dem jeweils auch noch ein kleiens Programm ist) folgendermaßen:

Wecken ist um acht. 

Vormittags gibt es nach den morgendlichen Übungen (Eurythmie, Gymnastik, Draußensport, je nachdem, was ansteht) zwei, manchmal drei Lernzeiten. Nachmittags Aquarell-Malen, Zeichnen oder Formenzeichnen, gemeinsames Singen sowie noch eine Lernzeit.

Im ersten Semester beschäftigen wir uns mit Mathe, Geografie und Biologie (die Größeren noch Physik und Chemie), im zweiten mit Geschichte, Fremdsprache, Polnisch, Informatik (die Älteren noch Gesellschaftskunde und die zweite Fremdsprache). Nach dem ersten Semester werden die entsprechenden Fächer für das Schuljahr mit einer Prüfung komplett abgeschlossen, nach dem zweiten die anderen.

Abends ist Erzählen.

Um 22:00 zwingen wir die Kinder zur Nachtruhe :).

 

Der Erzählstoff ist an die aktuelle Geschichte angepasst. Die Biografie von Heinrich Schliemann, Der Prinz und der Betteljunge, Elisabeth die Erste, Kopernikus, Odysseus, Johanna von Orleans... Es geht immer um Mut, Erneuerung und  die Lebensmission eines Menschen. 

 

 

Bei den Prüfungen gibt es als Hauptteil ein Thema, mit sich ein Kind besonders beschäftigt. Dieses stellt es in einer Präsentation dar. Wir haben dafür Formen ohne Computer gewählt: freies Sprechen zu einem Schaubild, einmal auch eine fiktive Fernsehdiskussion über Zellen, Pflanzen, Pilze und Krankheiten, wobei wir durchaus verschiedene Weltanschauungen aufeinander prallen lassen. In Englisch machen wir oft Theater. Dann gibt es noch einen schriftlichen Test. Unsere Partnerschule, die die Prüfungen  abnimmt, hat selbst ein solches Profil: Zeig mir, was du kannst, was du willst, wer du bist.

 

Wir gehen mit dem Lernen von unserer Meinung nach überflüssigem Schrott recht frei um. Unser erklärtes Ziel ist, mit den Kindern Dinge zu tun, die wir für wesentlich halten. Welche Zensuren sie bei der Prüfung bekommen, ist uns wirklich egal. Sie sollen durchkommen, und das tun sie, denn sie eignen sich reales, lebendiges Wissen an. Wir verzichten bewusst darauf, sie mit Definitionsleichen vollzustopfen, damit die Noten besser werden.

Es geht darum, ein lebendiges Lernmodell zu ermöglichen, eine freie Schulform aufzubauen, die realistisch und weitgehend unschädlich für Kinderseelen ist, bei allen Kompromissen, die wir für die Prüfungen dann doch noch eingehen müssen.

Wenn die Jugendlichen später unbedingt eine Prüfung ablegen und studieren wollen, werden sie frisch, erholt und in der Lage sein, sich sehr schnell das Notwendige anzueignen, weil sie es wollen. Es ist nicht notwendig, Kinder jahrelang zu quälen, bevor sie wissen, was sie wollen. Selbstverständlich unterstützen wir jede Lern-Initiative, die vom Kind selbst kommt! 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Erlebniswoche/ Tydzień BYĆ I CZUĆ  Juli/lipiec 2018